Aktuelles Update

neue worte über die platte in "jazzdimensions"

Jul 2

sehr schön: die jazzthetik hat uns in der juliausgabe eine ganze doppelseite gewidmet - inklusive ausführlichem interview mit uns!

kleine kostprobe:

“Eine eindrucksvolle Platte. Eine akribische, konsequent und ohne Vorbehalte realisierte Studioproduktion, die gerade durch den technologischen Volleinsatz eine Emotionalität erreicht, die der Atmosphäre auf dem Nordsee-Coverfoto entspricht. Popmusik, die irgendwo zwischen Beethoven und Mahler, Pink Floyd, Portishead und Aphex Twin ihren Platz findet, auch von Kitsch-Qualitäten profitiert, ihnen aber nicht auf den Schleim geht. Chöre mit mikroskopischen Dissonanzen, präpariertes Klavier, Bassbögen, kräftiges, klares Drumming, ein Streichquartett. Laptop, Gitarren, Fender Rhodes. Weltraum-Sonar und andere Fremdquellen. Soundarkaden, unter denen der blanke Meeresboden dunkel in der Abendsonne glitzert. Utopia. Romantisch.
Blättersäume, Nirgendwos, Wolken, die sich verschieben. “Wohin zieht es uns?” Eichendorff, die Knef und Caspar David Friedrich lassen grüßen. Und zwar schön.”

Rolf Jäger - Jazzthetik, Juli/August 2009

Jun 19

Noch eine wunderbare Rezension zu unserem Album… das wird ja immer besser :) Danke.

So leise und intim Nachtlüx klingen, so intensiv und dicht ist das, was auf diesem Debüt zu hören ist. Die Musiker scheinen ihre Instrumente zu streicheln. Jede Tonfolge entwickelt sich langsam. Die Klänge sind sehr plastisch herausgeschnitzt, was an der äußerst gelungenen Produktion liegt. Der Bass ist voluminös und rund. Die Gitarren knarzen, zirpen - sie unterhalten sich oder hängen ihren Gedanken nach. Per Notebook werden sachte Electronica eingespeist. Immer wieder tastet sich behutsam ein Fender Rhodes durch die Songs. Das nach Regentropfen klingende Instrument findet seine ideale Partnerin in Lea W. Frey, deren sehnsuchtsvoll verspielter Gesang von der Heimatlosigkeit einer ziellosen, in sich zerrütteten Generation kündet. Manchmal erinnert ihre Stimme an Meret Becker. Die Berliner nennen ihre Musik “Tagtraum- und Nachtmahrmusik”, was perfekt ausdrückt, worum es dem Duo geht: die Alltagsrealität verblassen lassen und das Abgründige im Menschen hervorkehren. Nachtlüx’ Musik ist nonkonform, experimentell und freigeistig. Daher lässt sich “Nach Norden” in keine der gängigen Stilkategorien einpferchen. Das spricht für Nachtlüx, denn welche Band kann schon von sich behaupten, einzigartig zu klingen? Nachtlüx dürfen das.

(Michael Schäfer, Zillo Musikmagazin 06 / 09)

Jun 10

Wir haben eine wirklich schöne Rezension zu unserem Gig im Blue Note in den Dresdner Neuesten Nachrichten bekommen:

Wie ein Streifzug durch einen Vergnügungspark
Nachtlüx spielten im Blue Note

„Wohin zieht es uns?“, fragt die Berliner Band Nachtlüx in einem ihrer Lieder und benennt damit das inhaltliche Leitmotiv ihrer schwermütig schwelgenden Musik mit deutschen Texten. Dass es am vergangenen Wochenende leider eher überschaubare Zuhörerzahlen zum Konzert der fünfköpfigen Formation ins Blue Note zog, mag am Wetter oder anderweitigen Ablenkungen gelegen haben – die Musik kann zumindest nicht der Grund gewesen sein, zumal Nachtlüx vor einem Jahr bereits einen ersten, gefeierten Auftritt in Dresden erlebt hatten. Nun waren sie also zurück und hatten ihr Debütalbum „Nach Norden“ im Gepäck, dessen Titel eine der vielen möglichen Antworten auf die eingangs gestellte Frage sein kann und sehr viel mehr meint als karge Küstenlandschaften, Salzwasser und eine dünne Linie zwischen Meer und Himmel. Dennoch hatten die Kompositionen der jungen Musiker durchaus etwas „Nördliches“: Bilder von verlassenen Stränden im Winter, menschenleeren Dünen und wandernden Wolken flackerten während des Konzertes vor dem inneren Auge des Zuhörers vorbei. Klangkünstler Venezian an Keyboard und Computer ließ einen Soundteppich entstehen, in den sich Gitarrist Peter Meyer, Bernhard Meyer am Bass und der Schlagzeuger Raphael Becker-Foss harmonisch hineinfanden. Gemeinsam erzeugten sie eine melancholisch-aufgewühlte Grundstimmung, über der die warme, helle Stimme der Sängerin Lea W. Frey wie eine Möwe über dem Wasser segelte.
Dieser interessante Kontrast zwischen Hell und Dunkel, der bereits im Namen Nachtlüx präsent ist, prägte den gesamten Abend. Zwar fielen einige dynamischere Stücke aus dem Programm heraus, verströmten kraftvolle
Energie und waren von treibenden Beats beherrscht, der größere Teil der Kompositionen schwelgte jedoch mit
getragenem Tempo in morbiden Sehnsuchtsszenarien. Nachtlüx boten ein sehr schönes, kleines Konzert, das wie
ein Streifzug durch einen verlassenen, windigen Vergnügungspark anmutete, in dem sich ein kaputtes Karussell von
Geisterhand dreht, verblichene Schriftzüge zu einstigen Attraktionen laden und gespenstische Puppen aus toten
Augen starren: In den Kompositionen tat sich eine unbestimmte, phantastische Traumwelt auf, an deren Eingang
die Stimme von Lea W. Frey einladend und verlockend winkte. Hoffentlich lassen sich in Zukunft noch so manche Zuhörer hineinziehen.

- Juliane Schiemenz