“Fast schwerelos”
(Klaus Halama, sound and image)
“Die deutsche Sprache in gelungener Form und Vollendung mit elektronischer Musik zu vernetzen, ist eine Kunst, die nicht viele hierzulande beherrschen. Aus dem Reich der Dämmerung zwischen Tag und Nacht kommend, haben sich der Keyboarder und Audiokünstler Venezian sowie die Sängerin Lea W. Frey unter dem Namen „Nachtlüx” zusammengetan, um mit dem Album „Nach Norden” ein gelungenes Statement in Sachen Kompatibiltät eben dieser beiden Begriffe abzugeben. Ein an sich „schweres” Thema, das aber wie durch ein Wunder leicht, fast schwerelos und dazu noch sehr ausdrucksstark umgesetzt worden ist. Venezians musikalische Sozialisation reicht von Mahler bis Emerson, Lake & Palmer, von Filmmusiken bis Klanggemälden, von Rhodes bis Laptop. Lea Freys Kreativität schlägt sich in den Songtexten nieder und in ihrer wundersamen Fähigkeit, Stimmungen und Gefühle in betörenden Gesang umzusetzen, der zwischen Schwermut, Kindlichkeit und irrealer Traumwelt barrierefrei schwebt. „Nach Norden” ist ein behutsamer Umgang mit den Elementen der Weite, in denen man sich aber dennoch nicht verlassen, sondern eher geborgen fühlen kann. Utopien, Tagträume, Zwiespälte – elegisch und malerisch umgesetzt, ein sehr entspanntes und entkrampftes Album, das den Spagat zwischen Pop und Anspruch mühelos schafft.”
“Klang- und Seelenerlebnis allererster Güte”
(Ingo Andruschkewitsch, Musik an sich)
Die Musik des Duos lässt sich nicht leicht beschreiben. Die Grundlage ist zwar eine Art Alternative Pop aber gemischt mit Jazz, ambienten und experimentellen Sounds. Stellenweise erinnert das Ganze an die große Schweizer Künstlerin Corin Curschellas. Nachtlüx bieten also einen sehr eigenständigen Sound - und der ist so richtig faszinierend und sehr sehr gut.
Die Grundstimmung der Songs ist zumeist sehr melancholisch und zurückgenommen. Sie bewegen sich fast immer im eher langsamen bis Midtempo Bereich und bieten dennoch viel Abwechslung. Es gibt viele kleine liebevolle Details zu entdecken. Venezian und seine Mitmusiker, die alle auf höchstem Niveau musizieren, legen hier die Grundlage für den Gesang von Lea W. Frey. Ihr Stil ist zwar deutlich vom Jazz beeinflusst, aber ihr Umgang mit der Stimme ist sehr eigenständig. Es gelingt ihr die deutschen Texte, die sich oft mit Ängsten, Seelenzuständen und Nöten der menschlichen Existenz in sehr poetischer Weise auseinandersetzen, perfekt umzusetzen. Neben melodiösen Parts gibt es immer wieder einmal Stellen, in denen die Stimme mehr als Klanginstrument verwendet wird oder sich in intensiven Ausbrüchen und Schreien bricht. Dies wird aber stets songdienlich eingesetzt und immer im Einklang mit den Texten und Grundstimmungen der Musik umgesetzt.
Auf die Musik von Nachtlüx muss man sich einlassen und sich viel Zeit nehmen, um sie auf sich wirken zu lassen. Man wird mit einem Klang- und Seelenerlebnis allererster Güte belohnt. Für Nach Norden kann es eigentlich nur die Höchstbewertung geben. Empfehlung!

“Ein Freiflug durch die Nacht”
(Rainer Molz, monstersandcritics.de)
Melancholischer, sinnierender, Verstand benutzender Pop aus Berlin. Will heißen: kein Einheitsmischmasch aus der Konserve, vielmehr ein klangbetonter, kunstvoller, stimmungsreicher, farbenfroher Klangteppich. Es lebt, die Musik geistert, verliert sich im Allerlei des Alltags. Ein Freiflug durch die Nacht. (…)
Post-Triphop vermischt sich mit Jazz- und Ethnoklangfarben – schwermütig, nachdenklich, avantgardistisch, versunken, ohne an Lebenskraft zu verlieren, erwecken Nachtlüx Träume zum Leben. Spannend, Interesse weckend, aufdringlich unaufdringlich. Ihre Songs heißen „Fern“, „Tagelang“, „Weit wie ein Meer“, „Schachmatt“ und „Schlaflied“. Sie erzählen von Utopien und Zukunftsträumen – bringen Uhren zum ticken.
Wer sich Nachtlüx hingibt, spürt die Spannung ihrer Musik. Es kribbelt und krabbelt, reizt und stimuliert. Sehr aufregend. Keine Musik für alltägliche Berieselungen. Hinsetzen, hinhören und sich fallen lassen – sozusagen ein Buch hören.
Wie ein Streifzug durch einen Vergnügungspark
(Juliane Schiemenz, Dresdner Neueste Nachrichten - 09.06.09)
„Wohin zieht es uns?“, fragt die Berliner Band Nachtlüx in einem ihrer Lieder und benennt damit das inhaltliche Leitmotiv ihrer schwermütig schwelgenden Musik mit deutschen Texten. Dass es am vergangenen Wochenende leider eher überschaubare Zuhörerzahlen zum Konzert der fünfköpfigen Formation ins Blue Note zog, mag am Wetter oder anderweitigen Ablenkungen gelegen haben – die Musik kann zumindest nicht der Grund gewesen sein, zumal Nachtlüx vor einem Jahr bereits einen ersten, gefeierten Auftritt in Dresden erlebt hatten. Nun waren sie also zurück und hatten ihr Debütalbum „Nach Norden“ im Gepäck, dessen Titel eine der vielen möglichen Antworten auf die eingangs gestellte Frage sein kann und sehr viel mehr meint als karge Küstenlandschaften, Salzwasser und eine dünne Linie zwischen Meer und Himmel. Dennoch hatten die Kompositionen der jungen Musiker durchaus etwas „Nördliches“: Bilder von verlassenen Stränden im Winter, menschenleeren Dünen und wandernden Wolken flackerten während des Konzertes vor dem inneren Auge des Zuhörers vorbei. Klangkünstler Venezian an Keyboard und Computer ließ einen Soundteppich entstehen, in den sich Gitarrist Peter Meyer, Bernhard Meyer am Bass und der Schlagzeuger Raphael Becker-Foss harmonisch hineinfanden. Gemeinsam erzeugten sie eine melancholisch-aufgewühlte Grundstimmung, über der die warme, helle Stimme der Sängerin Lea W. Frey wie eine Möwe über dem Wasser segelte.
Dieser interessante Kontrast zwischen Hell und Dunkel, der bereits im Namen Nachtlüx präsent ist, prägte den gesamten Abend. Zwar fielen einige dynamischere Stücke aus dem Programm heraus, verströmten kraftvolle
Energie und waren von treibenden Beats beherrscht, der größere Teil der Kompositionen schwelgte jedoch mit
getragenem Tempo in morbiden Sehnsuchtsszenarien. Nachtlüx boten ein sehr schönes, kleines Konzert, das wie ein Streifzug durch einen verlassenen, windigen Vergnügungspark anmutete, in dem sich ein kaputtes Karussell von Geisterhand dreht, verblichene Schriftzüge zu einstigen Attraktionen laden und gespenstische Puppen aus toten Augen starren: In den Kompositionen tat sich eine unbestimmte, phantastische Traumwelt auf, an deren Eingang die Stimme von Lea W. Frey einladend und verlockend winkte. Hoffentlich lassen sich in Zukunft noch so manche Zuhörer hineinziehen.
“Mit Raffinesse und Geschmack”
(Albert Hefele, Südwest-Presse - 09.01.09)
Sicher ist nach diesem Konzert im Pfleghof: Die fünf Musiker von Nachtlüx können es. Musik machen nämlich. Allen voran die absolut bemerkenswerte Sängerin Lea W. Frey. Die hat Stimme, kann röhren und flüstern und bedeutsam Geschichten erzählen (…) Wie geschickt da Technik für die Musik genutzt wird, ist ganz bemerkenswert und sicher auch sehr zeitgemäß. Da hat sich, was das Verständnis von Musik machen angeht, ganz entscheidendes geändert (…)
